Der Grossmarkt

Auf 'n Schnack

Hier wird geschnackt mit den Gesichtern des Großmarktes.

Auf dem Hamburger Großmarkt gibt es neben Obst, Gemüse und Blumen viele spannende Geschichten. Und wer kann sie am besten erzählen? Unsere Reinigungskräfte, Händler, Einkäufer, Mitarbeiter... eben alle Großmarktakteure. Wir treffen uns mit ihnen Auf 'nen Schnack.

Auf 'nen Schnack

... mit Wilfried Thal (Einkäufer)

Wilfried Thal, 62 Jahre, ist Wochenmarkthändler, Erzeuger in den Viermarschlanden, Präsident des Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller e.V. und Präsident des Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e.V.
 

Redaktion: In wievielter Generation sind Sie schon Marktbeschicker?

Herr Thal: In dritter Generation. Ich bin schon als Kind mit zu den Wochenmärkten gefahren. Später habe ich den elterlichen Gartenbaubetrieb übernommen und  1983 habe ich dann mein eigenes Gewerbe auf dem Turmweg-Wochenmarkt aufgemacht.

Red.: An wie vielen Tagen sind Sie auf Wochenmärkten anzutreffen?

Herr Thal: An zwei Markttagen treffen Sie mich ich auf dem Wochenmarkt am Turmweg und an zwei Tagen in Fuhlsbüttel.

Red.: Verkaufen Sie nur Ihre eigenen Erzeugnisse?

Herr Thal: Nein, 90% meiner frischen Ware kommt vom Hamburger Großmarkt und 10% sind meine eigenen Erzeugnisse wie Tomaten, Salate, Zucchini und Kürbisse. 3x pro Woche kaufe ich dafür ab 5 Uhr auf dem Großmarkt Hamburg ein.

Red.: Das sind dann lange Tage für Sie. Wie halten Sie das aus?

Herr Thal: Das ist Gewohnheit. Früher bin ich mit nur 5 Stunden Schlaf ausgekommen. Jetzt in meinem Alter versuche ich mehr Schlaf zu bekommen.

Red.: Machen Sie auch mal Urlaub?

Herr Thal: Ich habe immer nur höchstens 5-6 Tage am Stück Urlaub gemacht, um nur ein Geschäftswochenende zu verpassen. Ein Freund hat mir in diesem Jahr geraten, Urlaub zu machen solange ich noch kann. Den Rat habe ich befolgt und war zwei Wochen segeln. (Herr Thal lächelt als er das erzählt.)

Red.: Machen Sie Ihren Traumjob?

Herr Thal: Ja, das ist mein Traumjob. Ich bin von der Produktion bis zum Verkauf für die gesamte Wertschöpfungskette verantwortlich. Das empfinde ich als Erfüllung. Ich habe viel Bewegung, viele Kontakte und nehme jeden Tag am wahren Leben teil mit allen Sorgen und Nöten, die es mit sich bringt.

Red.: Was ist Ihr Lieblingsobst und -gemüse?

Herr Thal.: Mein Lieblingsobst sind Clementinen und Äpfel, Sorte Elster. Und mein Lieblingsgemüse sind Broccoli und Spargel.

Red.: Was empfehlen Sie unseren Lesern?

Herr Thal: Legen Sie Ihre Bequemlichkeiten ab. Kochen Sie wieder mehr selbst und ernähren Sie sich so auch wieder gesünder.


(Anmerkung Redaktion: Das nette Gespräch hat an einem Mittag in meinem Büro stattgefunden.)

 

Wilfried Thal hinter seinem Verkaufsstand auf einem Wochenmarkt

... mit Kalle Handwerk (Einkäufer)

Karl-Heinz Handwerk, 62 Jahre alt, ist Inhaber des Einzelhandelsgeschäfts ‚Früchtequelle‘ in Hamm und ein Urgestein auf dem Hamburger Großmarkt. Es ist ein  traditionell geführter Familienbetrieb. Seit vielen Jahren werden in dem alteingesessenen Betrieb Obst und Gemüse aus aller Welt verkauft sowie Kindergärten, Kantinen und Firmen im Raum Hamburg beliefert.
 

Redaktion: In wievielter Generation wird in Ihrer Familie schon Obst und Gemüse verkauft?

Kalle: In 4. Generation – seit 1918. Schon mein Uropa war Obst- und Gemüsehändler.

Red.: Wie lange kommen Sie schon als Einkäufer zum Großmarkt?

Kalle: Seit über 33 Jahren. Schon als kleiner Junge habe ich meinen Opa zum Großmarkt begleitet.

Red.: An wie vielen Tagen bzw. Nächten sind Sie auf dem Hamburger Großmarkt?

Kalle: An 6 Tagen pro Woche bin ich ab 5.30 Uhr in der Großmarkt Halle.

Red.: Wie lange wollen Sie noch arbeiten?

Kalle: So lange meine Frau mitspielt. (Kalle lächelt verschmitzt) Ich habe mein Arbeitspensum schon reduziert. Seit 2 Jahren beliefere ich nur noch auf Bestellung, z.B. Obstkörbe an Firmen.

Red.: Was sind die häufigsten Bestellungen?

Kalle: Bananen und Äpfel

Redaktion: Machen Sie auch mal Urlaub?

Kalle: Ganz selten. Einmal im Jahr für eine Woche. Wenn ich nicht da bin, liefert ja keiner.

Red.: Ist Obst- und Gemüsehändler Ihr Traumjob oder träumen Sie nachts von einem anderen Job?

Kalle: Ja, das war immer schon mein Traumjob. Ich bin da so reingeschlittert.

Red.: Was ist Ihr Lieblingsobst und –gemüse?

Kalle: Mein Lieblingsobst sind Erdbeeren aus Deutschland und mein Lieblingsgemüse ist deutscher Spargel.

Red.: Was empfehlen Sie unseren Lesern?

Kalle: Mit Ihren Einkäufen kleine Geschäfte unterstützen.
 

(Anmerkung Redaktion: Das Gespräch fand morgens um 7 Uhr auf dem Großmarkt statt. Herr Handwerk wollte gerade gehen, fand aber noch Zeit für ‚nen Schnack.)

... mit Torben Sander (Verkaufsleiter)

Ob Frühkartoffeln, Grillkartoffeln, küchenfertige Kartoffeln, geschälte Kartoffeln, abgepackte Kartoffeln, Bio-Kartoffeln oder Kartoffelspezialitäten aus Frankreich oder Zypern, die Neuenkirchener Heidekartoffel Handelsgesellschaft mbH verkauft zwischen 20 und 30 Sorten – und das schon seit 42 Jahren auf dem Großmarkt. Auch Zwiebeln und Knoblauch verkauft Toben Sander, Verkaufsleiter bei der Neuenkirchener Heidekartoffel. Gegründet wurde das Kartoffelgeschäft 1907 in Hamburg in der Marckmannstraße von der Familie Timmermann.

Redaktion: Wie viele Stunden Schlaf hatten Sie vor der Arbeit?
Torben Sander: Bestimmt 7 Stunden Schlaf. Meine Arbeitszeit beginnt um 5 Uhr und geht open-end meist in den Nachmittag hinein. Ein Mittagsschläfchen ist dann nicht mehr drin, da ich einen 2,5 jährigen Sohn habe.

Red.: Welche Kartoffel wurde heute Nacht am häufigsten verkauft?
TS: Zurzeit läuft die Annabelle am besten. Das ist eine frühreife, festkochende Kartoffelsorte. Angebaut wird die Kartoffel im Hannoveraner Raum.

Red.: Wie lange machen Sie den Job schon?
TS: Mein Nachbar hat mich vor 10 Jahren angeheuert. Mit Kartoffeln Geld verdienen? Ich  dachte der spinnt. Dann war ich das erste Mal zum Probearbeiten auf dem Großmarkt und hatte einen WOW-Effekt.

Red.: Träumen Sie nachts auch mal von einem anderen Job oder ist das immer noch Ihr Traumjob?
TS: Ich träume nachts eher von diesem Job (Herr Sander schmunzelt). Ich kann mir nicht mehr vorstellen, außerhalb vom Hamburger Großmarkt  zu arbeiten.

Red.: Was ist Ihre Lieblingskartoffel?
Torben Sander: Die Annabelle und die Belana. Ich esse bestimmt jeden 2. Tag Kartoffeln, am liebsten als  Salzkartoffel.

Red.: Und was ist Ihr Lieblingsobst?
TS: Die Banane. (Eine Banane liegt auch als gesunder Snack auf seinem Schreibtisch.)

Red.: Haben Sie noch eine Großmarktanekdote für mich?
TS: An meinem ersten Arbeitstag im tiefsten Winter vor fast 10 Jahren sollte ich einen LKW entladen. Ich musste das erste Mal im Leben eine Ameise (Hubwagen) bedienen, um die Paletten mit Kartoffelsäcken für den Gabelstaplerfahrer an die Kante der Ladefläche zu stellen. Dabei sind mir einige Paletten von der Kante gefallen. Die Kartoffeln kugelten querbeet über den Parkplatz und mein Kollege und ich brauchten bestimmt 5 Stunden, um in der Eiseskälte die Kartoffeln wieder in Säcke zu packen.

Red.: Was empfehlen Sie unseren Lesern?
TS: Lebensmittel mehr wertzuschätzen. Und nicht so oft importierte Kartoffeln kaufen, sondern eher die regionale Landwirtschaft unterstützen.
 

(Anmerkung Redaktion: Das Gespräch fand um 8 Uhr morgens im Büro der Neuenkirchener Heidekartoffel in der Großmarkthalle statt.)

Der Verkaufsleiter der Neuenkirchener Heidekartoffel hält einen Kartoffelsack in der Hand.

... mit Andreas Schindler (Großhändler)

Don Limón ist die Marke der Familie Schindler. 1952 durch den Großvater gegründet, wurde aus dem kleinen Pilz-Händler auf dem Hamburger Großmarkt ein weltweit operierendes Unternehmen. Heute liegt der Focus auf dem globalen Vertrieb von Früchten aus der südlichen Hemisphäre. Andreas Schindler sorgt dabei für die permanente Expansion in allen Märkten dieser Welt – Nordamerika, Europa, Mittlerer Osten und Fernost.

Redaktion: Wann haben Sie heute angefangen zu arbeiten?
Andreas Schindler: Unsere Mitarbeiter in der Großmarkthalle fangen gegen 22 Uhr an und beschicken den Stand für den Handel – und das 6 Tage die Woche. Ich habe heute Morgen um 7 Uhr angefangen und arbeite meistens bis spät abends. Ich bin in verschiedenen Zeitzonen auf der ganzen Welt unterwegs: Morgens ist z.B. eine gute Zeit, um mit meinen Partnern in Indien zu telefonieren und gegen Abend mit Mexiko oder Guatemala.

Red.: Welches Obst und Gemüse wurde heute am häufigsten verkauft?
AS: Pfifferlinge aus dem Baltikum und Citrusfrüchte von der südlichen Hemisphäre.

Red.: Wie lange machen Sie den Job schon?
AS: Seit 34 Jahren handle ich mit Obst und Gemüse.

Redaktion: In wievielter Generation?
AS: In dritter Generation. Mein Großvater hat schon 1952 in den Deichtorhallen Pilze verkauft.

Red.: Träumen Sie nachts auch mal von einem anderen Job oder ist es immer noch ihr Traumjob?
AS: Ich träume auch mal von etwas anderem, finde aber den Job immer noch aufregend. Mit tollen Menschen auf der ganzen Welt zusammen zu arbeiten und jedem Tag aufs Neue mit dem Unvorhersehbaren klarkommen. Man kann hier etwas in die Hand nehmen und ist frei hier. In meinem Job ist der Faktor Mensch gefragt, hier ist nichts automatisiert. Mein Vater hat mir beigebracht, dass jeder, der hier arbeitet, wertzuschätzen ist.

Red.: Was ist Ihr Lieblingsobst und -gemüse?
AS: Mein Lieblingsobst sind Zitrusfrüchte. (Er holt eine leckere Mandarine aus dem Kühlschrank.) Und mein Lieblingsgemüse ist die Aubergine.

Red.: Was empfehlen Sie unseren Lesern?
AS: Sich mehr für Obst und Gemüse zu interessieren und sich damit zu beschäftigen, was dahinter steckt. Denn nur so gibt es eine größere Wertschätzung von Obst und Gemüse. Viele Menschen in der Landwirtschaft in allen Ländern dieser Welt leben davon und arbeiten hart, um uns zu ernähren.

(Anmerkung Red.: Das Gespräch fand am 13.08.2020 in seinem Büro statt. In dem Büro hängen alte Weltkarten an den Wänden und die Regale und Fensterbänke stehen voll mit bunten Willkommensgeschenken seiner auf der ganzen Welt verstreuten Partner.)