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Info-Reihe „Gesunde Ernährung“
Tütensuppen – mehr Schein als Sein

Schnell und einfach – Tütensuppen und Fixprodukte sind der Renner – selbst die Werbung suggeriert uns, dass Oma heute auch so kochen würde – Kochen mit Fertigtüten ist modern. Die SCOLAB-Suppenchemie zeigt, was wirklich drin ist.

Seit vier Jahren untersuche ich mit Schulklassen und Erwachsenen Tütensuppen und Instantnudeln und dabei hat sich auch die letzte Illusion in Luft aufgelöst, dass diese Fertigprodukte einen Sinn haben. Geblieben ist die Gewissheit, dass ich an den entsprechenden Regalen im Supermarkt ohne Bedauern vorbeigehen kann.

Tütensuppen ... der Aufdruck schon verspricht „Guter Geschmack ist unsere Natur“ oder „100% Geschmack“. Dazu liefert die Werbung in Zeitschriften und im Fernsehen dann noch die entsprechenden Bilder von glücklichen Menschen, die angesichts der Düfte in Verzückung geraten.

Leider beschäftigen sich aber dann nur wenige mit dem tatsächlichen Inhalt. Die Abbildungen auf den Packungen sehen gut aus, viel Gemüse ist zu sehen und ein toller Serviervorschlag. Beim Aufschneiden steigt dann auch noch ein guter Duft aus den Tüten und das Pulver wird ins Wasser eingerührt.

Genau hier zwischen Aufschneiden und Einrühren fehlt aber ein wichtiger Schritt, den ich im SCOLAB mit Schülern und Erwachsenen mache. Wir schauen uns das Pulver näher an, sortieren es in die einzelnen Bestandteile und betrachten die geschmacksgebenden Teile. In der Waldpilzsuppe findet man einige kleine Stückchen Pilz, in der Spargelsuppe eventuell ein paar getrocknete Spargelabschnitte, die Tomaten sind nur in Pulverform vorhanden, der Broccoli glänzt mit wenigen kleinen grünen Stängeln und die Karotten sehen aus wie Tierfutter. Übrig bleibt ein Pulver mit den Hauptbestandteilen Mehl, Fett, Zucker und Salz.

Auf nebenstehendem Bild sind z.B. die 45 g einer Karotten-Tütensuppe, – ausreichend für zwei Teller – in die acht Bestandteile aufgeteilt: 23,5 % Karotten, 20,8 % Maisstärke, Magermilchpulver, Reismehl, Meersalz, Palmöl, 8,3 % Kartoffelstärke, Maltodextrin.

Irgendwie bleibt die Appetitlichkeit hier tatsächlich schon beim Anblick der trockenen Zutaten auf der Strecke. Spätestens passiert dies aber, wenn die getrockneten Karotten probiert werden, denn der Geschmack erinnert nur wenig an frische Möhren. Durch die Trocknung verschwinden nämlich als erstes die Aromastoffe und solche Karotten ohne Aroma ergeben dann leider auch nur die entsprechende Suppe.

Auch die Menge macht es nicht. Die 10,5 g getrockneten Karotten entsprechen umgerechnet in Frischware nur gut 50 g, das ist eine kleine bis mittlere Möhre. Daher kommt kein vernünftiger Möhrengeschmack und aus den hauptsächlich mehligen Zutaten schon gar nicht.

Die Lebensmittelindustrie weiß sich natürlich zu helfen, um so einen Inhalt aufzupeppen. Für den guten Geschmack kommt der geschmacksverstärkende Zusatzstoff „Mononatriumglutamat“ hinein oder die weniger auffällige, aber geschmacksverstärkende Zutat „Hefeextrakt“. Als Ausgleich für die Aromaverluste kommen eben diese als Aroma wieder hinein, nun aber gerne aus dem Labor.

Geschmack und Geruch aus dem Labor … Guten Appetit kann ich da leider nicht sagen.

Für die, die nun aber lieber die frische Variante ausprobieren wollen, hier mein Rezept: 300 g Karotten waschen, putzen, in Stücke schneiden und in wenig Fett anschmoren. 250 ml Wasser zugießen und die Karotten in einigen Minuten weich kochen. 50 ml Sahne zugeben, mit einem Pürierstab zerkleinern und mit Salz abschmecken.

Und hier wünsche ich: Guten Appetit Karottensuppe!


Bericht: Dr. Kerstin Filipzik

 
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