SCHAUSTELLER-PORTRAIT: MARTIN PÄPRER
Knackige Liebesäpfel vom Großmarkt für den Hamburger Dom – das größte Volksfest des Nordens

Die „Hamburger Zuckerküche“ auf dem Hamburger Dom ist das reinste Paradies für Naschkatzen: rote Liebesäpfel, gebrannte Mandeln und feine mit Schokolade überzogene Fruchtspieße locken die Besucher an den Stand von Martin Päprer. Der Schausteller betreibt seinen Süßwarenstand schon in dritter Generation.

„An einem guten Wochenende wandern rund 100 Liebesäpfel über die Theke“, sagt Päprer. Der 47-Jährige kauft sie für sein Geschäft seit eh und je auf dem Hamburger Großmarkt ein, weil er sie hier ganz frisch bekommt. Zwei- bis dreimal in der Woche macht er sich auf den Weg „zum norddeutschen Frischezentrum“. Wenn das Geschäft brummt, fährt er auch jeden Tag hierher. „Neben der Frische und Qualität der Ware, die mir hier auf dem Großmarkt angeboten werden, möchte ich aus einem möglichst großen Angebot von Früchten auswählen können. Diese große Auswahl habe ich nur hier“.

Der Tag des Schaustellers ist lang: Schon um 6.30 Uhr fährt Päprer zum Großmarkt. Im „Bauch von Hamburg“ – wie der Großmarkt auch genannt wird – steuert er zielstrebig zwei bis drei Stände an, denn er weiß ja, was er will: knackfrische Äpfel, Bananen, Erdbeeren, Ananas, Kiwis, Mandarinen und Co. Danach ist oft noch Zeit für ein Pläuschchen mit dem einen oder anderen Händler und dann geht es mit den Früchten zum Heiligengeistfeld, wo der Hamburger Dom beheimatet ist. Beim gemeinsamen Frühstück mit der Ehefrau und dem 23-jährigen Sohn, die beide zum Team der „Hamburger Zuckerküche“ gehören, wird alles Wichtige für den Tag besprochen. Anschließend macht sich die Familie an die Reinigung des Standes. Um Punkt 15 Uhr blitzt die Zuckerküche und die vielen Köstlichkeiten in der Auslage locken die ersten Besucher an. Die Verkaufsware wird übrigens während der Öffnungszeiten ständig nachproduziert. Feierabend ist erst um 23 Uhr, wenn auf dem Dom die Lichter ausgehen.

 

Familie Päprer schreibt bereits seit 103 Jahren Schaustellergeschichte auf dem Hamburger Dom: 1907 eröffnete hier der Urgroßvater von Martin Päprer, von Beruf gelernter Konditor, eine Waffelbäckerei. Seitdem wurde bei den Päprers das Schausteller-Gen fleißig weitervererbt. Ende der 1920er Jahre begannen die Großeltern, Süßwaren auf dem Hamburger Volksfest zu verkaufen –  damals noch hauptsächlich Honig- und Lebkuchen. In den 1970er Jahren übergaben sie das Geschäft an die Eltern von Martin Päprer. Der führt es jetzt schon seit 21 Jahren weiter. Auch seine Tochter ist schon in die Familien-Fußstapfen getreten und betreibt ihren eigenen Süßwarenstand auf dem Heiligengeistfeld.

Außer auf dem Dom ist die „Hamburger Zuckerküche“ auch auf dem Hamburger Hafengeburtstag und dem Alstervergnügen vertreten. Aber auch auf vielen anderen Volksfesten im Umland von Hamburg –  zum Beispiel in Lüneburg, Winsen und Lauenburg – verkaufen die Päprers ihre Liebesäpfel und die einzigen DLG-prämierten Mandeln.

„Viele Schausteller sind sesshafter, als man denkt“, lüftet Martin Päprer ein Geheimnis um das Schaustellerleben. Berufsbedingt wohnen die Päprers zwar einen Großteil des Jahres im Wohnwagen, aber ansonsten genießen sie die Zeit in ihrem kleinen Häuschen in der Nähe von Lüneburg, wo sie eine ganz „solide Existenz“ führen.

Bei der wenigen Freizeit bleibt dem Schausteller nicht viel Zeit für Hobbys. Einen lang gehegten Wunsch hat Martin Päprer sich aber doch erfüllt: Seit fünf Jahren nennt er einen Oldtimer, einen alten Mercedes, sein Eigen. Um den flotten Wagen auszufahren, wird schon einmal das Vergnügen mit einem Botengang verbunden.

 

 


 


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